Aus dem Bestand heraus
Halle an der Saale ist eine Stadt mit rund 230.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Als Standort bedeutender Institutionen wie der Kulturstiftung des Bundes, der Leopoldina und der Martin-Luther-Universität ist sie ein Ort des kulturellen und wissenschaftlichen Austauschs. In diesem Kontext wird eine ehemalige Kaserne zum Ausgangspunkt eines architektonischen und freiräumlichen Entwurfs.
Der Bestand wird nicht ersetzt, sondern als identitätsstiftender Kern erhalten und weiterentwickelt. Aus seinem Inneren wächst ein neuer Baukörper, der das historische Dach durchstößt. Die Aufstockung erfolgt punktuell in Form einer baumartigen Holzkonstruktion. Ihre Stützen entwickeln sich aus dem Inneren des Gebäudes, während die „Kronen“ das Satteldach durchbrechen.
So entsteht ein Wechselspiel zwischen Alt und Neu, zwischen Massivität und Leichtigkeit. Der Bestand dient dabei nicht nur statisch, sondern auch konzeptionell als Fundament: Er gibt die Maßstäblichkeit vor, an der sich die neue Konstruktion abarbeitet, und bleibt als Volumen ablesbar.
Das Raumprogramm folgt demselben Gedanken. Im Erdgeschoss liegen die Nutzungen, die den Block zur Stadt hin öffnen — eine Kantine mit Küche und ein gemeinsam nutzbarer Co-Producing-Bereich, dazu die dienenden Räume. Darüber schließen Bibliothek und Co-Working an, im Obergeschoss folgt die Musikschule. Die Nutzungen werden nach oben hin ruhiger, so wie der Baukörper nach oben hin leichter wird.
Der Entwurf versteht sich damit nicht als Neubau auf einem geräumten Grundstück, sondern als Weiterbau: Was da ist, bleibt und trägt.



